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04.06.2018

Sperriger Titel, klar formuliertes Ziel

Sperriger Titel, klar formuliertes Ziel

Der Titel war etwas sperrig, das Ziel jedoch klar formuliert: „Öschelbronn-2030-Hocketse“ lautete die Überschrift der Veranstaltung, zu der die Gemeinde Gäufelden am Freitagabend eingeladen hatte. „Wir wollen, dass Sie sich in einer frühen Phase mit den Zielen und Vorhaben der Ortsentwicklung auseinandersetzen und nicht erst, wenn vor Ihrer Haustür etwas passiert“, lud Bürgermeister Johannes Buchter die Öschelbronner zum Informations- und Meinungsaustausch ein.


Rede und Antwort – Ein Informations- und Meinungsaustausch, der gleich auf mehreren Ebenen stattfand. Da waren zum einen die verschiedenen Stände, die rund um den Öschelbronner Marktplatz aufgebaut waren, und an denen Fachfragen direkt mit den jeweiligen Experten erläutert und diskutiert werden konnten. Neben lokalen Akteuren – Regina Stukenborg vom Pflegestützpunkt in Bondorf und die beiden Seniorenvertreterinnen der Gemeinde Gäufelden, Birgit Fuchs und Brigitte Seitz – standen auch Gäste von außerhalb Rede und Antwort: Paul Gauss vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Rottenburg, Corinna Weingärtner von der AGP Sozialforschung aus Freiburg, Elisabeth Schröder-Kappus von der Kiebinger Dorfgemeinschaft, Isabell Rühl von der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH aus Ludwigsburg und Jörg Aichele vom Böblinger Landratsamt.


Unmut wegen Straße – „Hat der seine Eidechsen auch dabei?“, lautete die spontane, rhetorische und kaum ernst gemeinte Frage aus dem Publikum, die gestellt wurde, sobald Bürgermeister Johannes Buchter Jörg Aichele vorstellte. Der Landratsamt-Mitarbeiter, genauer gesagt der Leiter des Straßenbauamtes, musste am Freitagabend nicht nur Fragen zu künftigen Straßenbauprojekten beantworten. Jörg Aichele musste sich auch dem Unmut einiger Bürger stellen, die für die erneute Verzögerung bei der Sanierung der Kreisstraße zwischen dem Gäufeldener Teilort und Unterjettingen nur wenig Verständnis aufbringen können. „Man sollte die Kreisräte die Strecke jeden Tag einmal rauf und wieder runter fahren lassen“, war der Vorschlag einer Hocketse-Besucherin. „Dann wüssten die auch, dass man hier schnellstmöglich was machen muss.“


Blick in die Zukunft – Nicht nur am Stand des Landratsamtes galt: „Wir sind offen für Zuspruch – wir sind aber auch offen für Kritik“, wie es Bürgermeister Johannes Buchter in seiner Begrüßung formulierte. Dieser folgte ein Impulsvortrag, in dem er die wichtigsten Vorhaben kurz umriss. Darunter Zukunftsprojekte wie der Bau einer Südtangente zur Entlastung der stark befahrenen Stuttgarter Straße. Darunter aber auch der Bau einer Pflegeeinrichtung, eines Rathaus-Neubaus, die Einrichtung eines Bürgerhauses im dann ehemaligen Rathaus und der Abriss des alten Feuerwehrhauses und die nachfolgende Wohnbebauung in diesem Bereich. Allesamt Projekte also, die in der nahen Zukunft realisiert werden könnten – weil sie im Sanierungsgebiet Rotengarten/Toräcker liegen und deshalb dafür mit einem Zuschuss über die Städtebauförderung zu rechnen wäre. Dass man gleich im ersten Jahr nach Antragstellung zur Aufnahme in das Sanierungsprogramm einen Förderbescheid bekomme, sei „keine Selbstverständlichkeit“, so Bürgermeister Buchter. Ebenso wenig, wie die Tatsache, dass Regierungspräsident Wolfgang Reimer selbst an der „Öschelbronn-2030-Hocketse“ teilnahm und in seinem Grußwort die Veranstaltung lobte. „Begrüßenswert“ sei, dass man die Bürger beteilige und ihnen nicht „ganz zum Schluss, wenn alle Pläne fertig sind, etwas überstülpt“, sagte Reimer auf dem Öschelbronner Rathausplatz.


Traum und Wirklichkeit – Auf dem war am Freitagabend ein ganz besonderer „Neubau“zu bewundern: eine Wohngemeinschaft für zwölf Senioren. Unterteilt in zwei Einheiten, die spiegelverkehrt aneinandergebaut und mit einer großen Schiebetür miteinander verbunden sind – und die im Lehengarten realisiert werden sollen. Das zumindest ist der „Traum“ von Birgit Fuchs und Brigitte Seitz. Die beiden Seniorenvertreterinnen treten damit gegen die Pläne von Gemeinderat und -verwaltung an, die eine entsprechende Einrichtung in der Jettinger Straße präferieren (der „Gäubote“ berichtete mehrfach). Dank kreativer Köpfe in der eigenen Verwandtschaft – darunter neben einer Architektin auch zwei Modellbauer – konnten Birgit Fuchs und Brigitte Seitz ihren Traum zu Anschauungszwecken und in Miniaturform Wirklichkeit werden lassen. „Natürlich entscheidet letztendlich die Mehrheit, doch wir werden für unseren Vorschlag kämpfen“, versicherte Brigit Fuchs am Freitagabend. „Der gewachsene Park im Lehengarten hätte schützenden Charakter für demenzerkrankte Bewohner, die es sicher in der Einrichtung geben wird und durch die Wohnbebauung, die um die Einrichtung herum entstehen kann, entsteht ein generationenübergreifendes Miteinander“, warb die Seniorenvertreterin für ihre Idee.


Gegenentwurf –
„Eine Pflegeeinrichtung mitten im Ort kann schneller realisiert werden, die Senioren wären eingebunden und es könnte ein Café als Anlaufstelle für alle Bürger in Öschelbronn entstehen“, entwarf Isabell Rühl einen Gegenentwurf zu den Lehengarten-Plänen. Die Projektleiterin der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH, Ansprechpartnerin für das aktuelle Sanierungsgebiet in Öschelbronn, präferiert nach eigenen Angaben die eben entstandene Freifläche in der Jettinger Straße als Standort für eine Pflegeeinrichtung. In erster Linie war Isabell Rühl aber zur Hocketse gekommen, um die Fragen der Anwohner bezüglich der Fördermöglichkeiten ihrer privaten Bauvorhaben im ausgewiesenen Sanierungsgebiet zu beantworten.


Später mitten im Ort – „Es ist doch toll, dass man sich einbringen und mitreden kann“, lobten drei Frauen die Idee, die hinter der Hocketse steckte „Wir sind gerne gut informiert“, fasste ein geschlechtergemischtes und etwas älteres Dreiergespann seine Beweggründe für den Hocketse-Besuch zusammen. Vom Hörensagen oder auch durch die Zeitungs-Lektüre bekomme man nur „schwammige“ Informationen, was Fachfragen anlangt – und damit möchten sich die Senioren nicht begnügen. Vorallem die Standortfrage für eine Pflegeeinrichtung beschäftigte die Mittsiebziger am Freitagabend, ihre Meinung: „Der Lehengarten wäre ein toller Standort.“ Ein Argument der Gegner entkräften sie postwendend: „Das ist überhaupt nicht am Ortsrand gelegen.“ Backhaus und Bushaltestelle wären in unmittelbarer Nähe, Friedhof und Supermarkt in der jeweils entgegengesetzten Richtung etwa gleich weit entfernt. „Und wenn dort ein neues Baugebiet erschlossen wird, liegt das Pflegeheim später mitten im Ort“, so die Zukunftsvision der Senioren.


Bestbesuchter Vortrag – Anregungen, wie eine künftige Pflegeeinrichtung aussehen könnte, bekamen die Öschelbronner von Elisabeth Schröder-Kappus. Die Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Kiebingen hielt den bestbesuchten Impulsvortrag am Freitagabend. Im evangelischen Gemeindehaus war kaum mehr ein freier Sitzplatz zu bekommen, das Interesse an der Entstehungsgeschichte, den (formalen) Hintergründen und am Alltag der selbstverantworteten Wohngemeinschaft war groß. Letzterer wird vor allem von den Alltagsbegleitern gestaltet. „Natürlich können und dürfen die Bewohner beim Schnippeln und beim Vorbereiten helfen, doch die Alltagsbegleiter kaufen ein, sie kochen das Essen und sie führen den Haushalt“,stellte Elisabeth Schröder-Kappus richtig. Sie beantwortete auch die Nachfrage aus dem Publikum zu den Gemeinschaftsbädern. „Wir haben uns für diesen Weg entschieden und würden wohl auch in einer weiteren, neuen Einrichtung die Zimmer nur mit einem Waschbecken ausstatten.“ Nicht nur,um den Alltagsbegleitern die Arbeit zu erleichtern, sondern vor allem aus einem Grund: „Es ist ein familiäreres Miteinander und die Bewohner begegnen sich dadurch regelmäßig.“



Quelle: Gäubote, 25. Mai 2018
Autorin: Sabine Haarer
Foto: Vecsey


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